Geschichte über Darmstadt

Frühgeschichte (bis ca. 800 n. Chr.)

Im Darmstädter Raum gab es bereits in der Jungsteinzeit (ab ca. 5000 v. Chr.) Siedlungsaktivitäten. Ackerbauern der Bandkeramiker und später der Rössener Kultur hinterließen hierbei ihre Spuren. Ab 2000 v. Chr. prägten die Schnurkeramiker und Glockenbecherleute die Region. Erstere brachten die Grabhügelbestattung mit, letztere diverse Kupfergeräte. Aus der Bronzezeit (1600–1200 v. Chr.) stammen reiche Funde wie Bernsteinbeigaben und Waffen. Ab 1200 v. Chr. dominierte die Urnenfelderkultur, die durch Ackerbau und Feuerbestattungen geprägt war.

Vom Dorf zur Stadt (ca. 800–1479)

Darmstadt wurde vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert von den Franken gegründet. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 11. Jahrhundert: Graf Sigebodo verfügte Zinsabgaben über Darmundestat. Im 12. Jahrhundert entstand eine Burg der Grafen von Katzenelnbogen, die Darmstadt zur Nebenresidenz machten. 1330 erhielt der Ort das Stadtrecht und entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum.

Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (1479–1806)

Nach dem Aussterben der Katzenelnbogener fiel die Stadt 1479 an die Landgrafen von Hessen. Mit der Teilung Hessens 1567 wurde Darmstadt zur Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Die Stadt erlebte eine Blütezeit: Das damals bereits bestehende Residenzschloss wurde grundlegend umgestaltet, des Weiteren entstand die Stadtkirche. Darüber hinaus erfolgte die Erweiterung des Stadtrechts. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde Darmstadt schwer beschädigt, es kam aber zum baldigen Wiederaufbau.

Residenzschloss im Darmstädter Zentrum
Das Residenzschloss war früher eine Wasserburg, die im Laufe ihres Bestehens zum Residenzschluss ausgebaut wurde. 1716 erfolgte eine grundlegende Umgestaltung im Auftrag von Landgraf Ernst Ludwig.
Der Darmstädter Luisenplatz mit dem Ludwigsmonument
Der Darmstädter Luisenplatz mit dem Ludwigsmonument – eines der Wahrzeichen der Stadt

Hauptstadt des Großherzogtums Hessen (1806–1918)

1806 ernannte man Darmstadt zur Hauptstadt des Großherzogtums Hessen. Zudem blieb sie politisches Zentrum. Die Stadt wuchs durch Industrialisierung und Eisenbahnanschluss. 1840 entstand der Luisenplatz mit dem Ludwigsmonument. 1877 wurde die Technische Universität Darmstadt gegründet, die bis heute eine der renommiertesten Deutschlands ist.

Ein bedeutender Punkt in der Geschichte Darmstadts ist zudem die 1833 errichtete Mathildenhöhe, bei der es sich ursprünglich um eine Gartenanlage im englischen Landschaftsstil handelte. Hier lebten und arbeiteten Künstler wie Olbrich, Behrens und Christiansen. Sie gestalteten mehrere Wohn- und Atelierhäuser im Jugendstil, darunter das Ernst-Ludwig-Haus mit den Skulpturen „Kraft und Schönheit“. Die Ausstellung im Jahr 1901 präsentierte ihre Werke, doch die Kolonie löste sich 1914 auf.

20. Jahrhundert bis heute

Nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs 1918 erhob man Darmstadt zur Hauptstadt des Volksstaates Hessen. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu über 70 % zerstört, darunter auch die historische Altstadt. 1945 verlor Darmstadt seine politische Bedeutung, da Wiesbaden zur neuen Landeshauptstadt Hessens bestimmt wurde. Dennoch entwickelte sich die Stadt zu einem Wissenschafts- und Technologiestandort, geprägt durch Unternehmen wie Merck und die ESOC (Europäisches Raumflugkontrollzentrum).

Heute ist Darmstadt eine weltoffene Stadt mit rund 160.000 Einwohnern und internationaler Ausstrahlung. 2021 wurde die Mathildenhöhe mitsamt des Hochzeitsturms und der Russischen Kapelle auf die Liste des UNESCO-Welterbes genommen. Dieses einmalige Ensemble vereint bis heute Kunst, Architektur und Natur in hervorragender Weise.